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Bau-Wissen

Abweichende Bauweise mit CLT-Haus: Was steckt dahinter

von
Aylin Arsu
22.5.2026
4
min Lesezeit

Inhaltsverzeichnis

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Du hast ein Grundstück im Blick, aber der Bebauungsplan lässt auf den ersten Blick keinen großen Spielraum? Dann könnte die abweichende Bauweise genau das sein, was dein Bauprojekt braucht. Denn wer baut, muss nicht immer strikt nach Schema F vorgehen – das Baurecht bietet mehr Flexibilität, als viele ahnen. In diesem Artikel erfährst du, was hinter dem Begriff steckt, wann eine abweichende Bauweise möglich ist, und warum sie gerade für individuelle Holzhäuser und CLT-Bauten so spannend sein kann.

🔍 Artikel kurz zusammengefasst

  • Was ist die abweichende Bauweise? Eine baurechtlich geregelte Möglichkeit, vom festgesetzten Bebauungsplan abzuweichen – unter bestimmten Voraussetzungen.
  • Definition: Abweichende Bauweise meint die Zulassung von Gebäuden, die nicht der im Bebauungsplan festgelegten offenen oder geschlossenen Bauweise entsprechen.
  • Bebauungsplan: Der Bebauungsplan legt die Regel fest – abweichende Bebauung ist aber in vielen Fällen beantragbar.
  • Beispiele: Grenzabstände, Gebäudelängen oder Wandhöhen können im Rahmen einer abweichenden Bauweise anders gestaltet werden.
  • Für CLT-Häuser: Individuelle Holzbauten profitieren besonders von dieser Flexibilität im Planungsprozess.

Was ist die abweichende Bauweise? Definition & Grundlagen

Abweichende Bauweise – dieser Begriff klingt zunächst sperrig, steckt aber voller Potenzial. Gemeint ist damit die Möglichkeit, ein Gebäude so zu errichten, dass es nicht exakt der im Bebauungsplan festgelegten Bauweise entspricht. Das Bauplanungsrecht unterscheidet in Deutschland grundsätzlich zwischen der offenen Bauweise (mit seitlichem Grenzabstand) und der geschlossenen Bauweise (direkt an der Grundstücksgrenze). Wenn ein Bauvorhaben von diesen Festsetzungen abweicht, spricht man von abweichender Bauweise.

Die rechtliche Grundlage liefert § 22 Abs. 4 der Baunutzungsverordnung (BauNVO): Demnach kann im Bebauungsplan eine von der offenen oder geschlossenen Bauweise abweichende Bauweise festgesetzt werden, wenn die Eigenart der näheren Umgebung dies rechtfertigt. Das klingt kompliziert – bedeutet aber im Kern: Wer gute Gründe hat, kann auf Antrag von der Regel abweichen.

Abweichende Bauweise Definition: Was genau darf abweichen?

Konkret bezieht sich die abweichende Bauweise auf bauliche Parameter, die im Bebauungsplan eigentlich festgeschrieben sind. Dazu zählen vor allem:

  • Seitliche Grenzabstände – z. B. wenn ein Gebäude näher an die Nachbargrenze heranrücken soll, als es die offene Bauweise erlaubt.
  • Gebäudelänge – Bauten dürfen in der geschlossenen Bauweise in der Regel nicht länger als 50 Meter sein; abweichende Bauweise ermöglicht hier mehr Spielraum.
  • Wandhöhen und Baukörperformen – auch gestalterische Parameter können Gegenstand einer abweichenden Festsetzung sein.

Wichtig: Abweichende Bauweise ist kein Freifahrtschein. Sie muss im Bebauungsplan ausdrücklich festgesetzt sein oder im Einzelfall beantragt und behördlich genehmigt werden. Ohne diese Grundlage bleibt die reguläre Bauweise verbindlich.

Bebauungsplan abweichende Bauweise: Wie läuft das in der Praxis ab?

Der Bebauungsplan ist das wichtigste Steuerungsinstrument der kommunalen Bauleitplanung – und gleichzeitig der Ausgangspunkt für jede abweichende Bebauung. Wenn du ein Grundstück bebaust, schaust du zunächst in den gültigen Bebauungsplan deiner Gemeinde. Dort steht, welche Bauweise vorgeschrieben ist.

Ist eine abweichende Bauweise explizit im Bebauungsplan festgesetzt, kannst du sie direkt nutzen. Ist das nicht der Fall, gibt es zwei Wege:

  1. Befreiung nach § 31 Abs. 2 BauGB: Die Gemeinde kann im Einzelfall eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans erteilen – wenn die Grundzüge der Planung nicht berührt werden und die Abweichung städtebaulich vertretbar ist.
  2. Änderung des Bebauungsplans: In manchen Fällen lohnt es sich, eine Anpassung des Bebauungsplans anzuregen – ein längerer Weg, aber eine dauerhafte Lösung für größere Projekte.

Dein Architekt kennt die lokalen Gegebenheiten und weiß, welcher Weg für dein Vorhaben am sinnvollsten ist. Frühzeitige Gespräche mit der Baubehörde sparen Zeit und Nerven.

Abweichende Bauweise Beispiele: So sieht das in der Realität aus

Manchmal hilft ein konkretes Bild mehr als jede Definition. Abweichende Bauweise findet sich in der Praxis zum Beispiel in folgenden Szenarien:

  • Ein Reihenhaus wird in einer Gegend mit offener Bauweise errichtet – es grenzt seitlich direkt an das Nachbargebäude an, obwohl eigentlich Grenzabstand gefordert wäre.
  • Ein Wohngebäude überschreitet die zulässige Gebäudelänge von 50 Metern, weil im Bebauungsplan eine abweichende Bauweise mit größeren Baukörpern ausdrücklich festgesetzt ist.
  • Ein Holzhaus in CLT-Bauweise soll eine ungewöhnliche Kubatur erhalten – durch eine abweichende Bebauung wird die individuelle Gestaltung möglich, die zu Architektur und Grundstück passt.
  • Ein Stadtquartier plant eine halb-offene Bebauung als Kompromiss zwischen offener und geschlossener Bauweise – auch das ist eine klassische Form abweichender Bauweise.

Diese Beispiele zeigen: Abweichende Bauweise ist keine Ausnahme für Sonderfälle, sondern ein etabliertes Instrument für lebendige, individuelle Architektur.

Abweichende Bebauung & CLT-Haus: Raum für individuelle Architektur

Gerade im Holzbau – und besonders bei Häusern in Brettsperrholz-Bauweise – ist Individualität kein Luxus, sondern Programm. CLT-Häuser lassen sich in vielen Formen und Größen realisieren, die nicht immer in das Standard-Raster eines Bebauungsplans passen. Abweichende Bebauung eröffnet hier den nötigen Spielraum: für besondere Kubaturen, ungewöhnliche Grundrisse oder spezielle Grenzabstandsregelungen, die dem Grundstück und deinen Wünschen gerecht werden.

Bei CLT-Haus begleiten wir dich von der ersten Idee bis zur Baugenehmigung – inklusive der Prüfung, ob und wie eine abweichende Bauweise für dein Projekt möglich ist. Denn dein Traumhaus sollte nicht an bürokratischen Hürden scheitern, sondern an deinen eigenen Vorstellungen wachsen. Vereinbare gerne ein unverbindliches Erstgespräch mit uns!

Häufige Fragen zu diesem Thema

Was versteht man unter einer abweichender Bauweise?

Als abweichende Bauweise bezeichnet eine im Bebauungsplan festgesetzte oder behördlich genehmigte Abweichung von der offenen oder geschlossenen Bauweise. Sie erlaubt zum Beispiel andere Grenzabstände oder größere Gebäudelängen, als es die regulären Bauvorschriften vorsehen.

Wann ist eine abweichende Bauweise möglich?

Eine abweichende Bauweise ist möglich, wenn sie im Bebauungsplan ausdrücklich festgesetzt ist oder wenn die Gemeinde im Einzelfall eine Befreiung nach § 31 Abs. 2 BauGB erteilt. Voraussetzung ist, dass die Abweichung städtebaulich vertretbar ist und die Grundzüge der Planung nicht verletzt.

Was ist der Unterschied zwischen der abweichenden Bauweise und einer Befreiung?

Die abweichende Bauweise ist eine Festsetzung im Bebauungsplan selbst – also von vornherein geplant. Eine Befreiung hingegen wird im Einzelfall nachträglich beantragt und genehmigt, wenn besondere Umstände vorliegen. Beide Wege führen zum Ziel, unterscheiden sich aber im Verfahren.